Substantielle Ineffizienzen bei der Abwicklung von Bauprojekten deutscher Unternehmen aufgedeckt

Die Abwicklung von Neu- und Umbauprojekten gehört in vielen deutschen Non-Property Unternehmen zum Alltag der Immobilienabteilungen. Dabei werden diese Projekte i.d.R. auch heute noch mit den traditionellen Abwicklungsformen wie GU-Vergabe oder mit Einzelgewerken realisiert. Die Angst davor, die Zügel aus der Hand zu geben, ist groß. Dies führt dazu, dass Ineffizienzen im Ressourceneinsatz und der Organisation in Kauf genommen werden. Dabei treibt insbesondere die zu starke Kostenfokussierung die Entscheidungsträger zu einem Preiswettbewerb, was zur Folge hat, dass ganzheitliche Lösungen mit Lebenszyklusoptimierung nur wenig Beachtung erlangen.

Das Forschungscenter betriebliches Immobilienwirtschaft (FBI) greift diese Problematik in seiner 2018 durchgeführten Studie auf. Befragt wurden die Entscheidungsträger im Corporate Real Estate Management der 200 mitarbeiterstärksten Non-Property Unternehmen in Deutschland. Ziel war es, den Entscheidungsprozess in der Praxis der Unternehmen offenzulegen und die verschiedenen Möglichkeiten der Projektabwicklung zu vergleichen.

Strukturwandel fordert neue Formen der Flächenbereitstellung

Wie wichtig die effiziente Abwicklung von Neu- und Umbauten für Unternehmen und ihre Wettbewerbsfähigkeit ist, wird in einer von Prof. Dr. Andreas Pfnür im Auftrag des ZIA durchgeführten Studie deutlich. Der Strukturwandel, getrieben durch u.a. Digitalisierung, Globalisierung und Urbanisierung, verändert die Nutzungsanforderungen an betrieblich genutzte Flächen enorm. Neue Arbeitswelten sind hier das dominierende Schlagwort. Diese veränderten Flächenanforderungen verlangen, dass die Unternehmen in den nächsten zehn Jahren etwa die Hälfte ihrer Flächen überdenken. Die ZIA Studie zeigt jedoch auch, dass der Bedarf an Redevelopment oder Neuentwicklung von vielen Unternehmen unterschätzt wird. Die internen Bauabteilungen deutscher Non-Property Unternehmen sind oftmals eher klein, sodass die Gefahr besteht, dass die Immobilienmanagementabteilungen von den neuen Herausforderungen früher oder später überrollt werden.

Misfit zwischen tradierten Abwicklungsformen und sich ändernden Rahmenbedingungen

Ein Vergleich der Abwicklungsformen zeigt, wie unterschiedlich diese bei bestimmten Zielsetzungen und Rahmenbedingungen geeignet sind. Einzelgewerkevergabe und Generalunternehmen eignen sich insbesondere bei einem hohen internen Ressourceneinsatz und einer starken und detaillierten Einflussnahme des Bauherrn. Dagegen bieten eine Totalunternehmerbeauftragung oder Wertschöpfungspartnerschaften die Möglichkeit, die internen Ressourcen zu schonen, Risiken effizient zu übertragen und Schnittstellen im Projekt zu reduzieren. Die dabei typische funktionale Ausschreibung öffnet die Türen für neue, innovative und ganzheitliche Lösungen, da den Anbietern wesentlich größere Handlungsspielräume gewährt werden. Genau dies könnte die Antwort sein, auf die Frage nach höchster Flexibilität in der Flächenbereitstellung.

Potentiale von Wertschöpfungspartnerschaften nicht ausgeschöpft

Wertschöpfungspartnerschaften sind trotz ihrer Popularität im öffentlichen Sektor als PPP-Projekte und ihrer nachgewiesenen Effizienzvorteile in der Privatwirtschaft noch nicht etabliert. Dies scheint verwunderlich, zeigen sich die Vorteile von Komplettlösungen in IT und Logistik doch bereits seit einigen Jahren. Auch die Befragungsteilnehmer stehen partnerschaftlichen Formen positiv gegenüber, sodass hier ein hohes Potential gesehen wird. Wenn die Unternehmen den bevorstehenden Umwandlungsbedarf zukünftig nicht allein decken können, sind sie gezwungen den Weg für Alternativen zu ebnen. Dabei bleibt jedoch auch abzuwarten, ob die Anbieter von lebenszyklusübergreifenden Dienstleistungen diese Chance für sich erkennen und welche konkreten Angebote sich auf dem Markt etablieren werden.

Die vollständige Studie finden Sie zum kostenlosen Download hier.