Entwicklung systemischer Instrumente zur Nachhaltigkeitsbewertung energetischer Gebäudesanierungen

Titel Entwicklung systemischer Instrumente zur Nachhaltigkeitsbewertung energetischer Gebäudesanierungen
Untertitel -
Partner Kooperationsprofessur Nachhaltiges Bauen im Bestand
Jahr 2015

Interdisziplinäres Projekt zwischen der Kooperationsprofessur Nachhaltiges Bauen im Bestand und dem Fachgebiet Immobilienwirtschaft und Baubetriebswirtschaftslehre

Ausgangslage

Auf den Gebäudebereich entfallen rund 40 % des deutschen Endenergieverbrauchs und etwa ein Drittel der CO2- Emissionen. Entsprechend der energie- und klimapolitischen Ziele sollen im Gebäudebestand bis 2050 80 % Primärenergie eingespart werden. Seit Jahren verharrt die energetische Sanierungsrate jedoch auf etwas weniger als 1 % p.a. und ist damit von den für die Zielerreichung erforderlichen 2,2 % p.a. weit entfernt.

Forschungsfrage und Projektziel

Das interdisziplinäre Projekt geht den Fragen nach, wie sich die Nachhaltigkeit und Effizienz energetischer Sanierungen steigern lassen sowie die Sanierungsrate sich kurz-, mittel- und langfristig erhöhen lässt. Dafür werden einerseits erste Ansätze einer entscheidungsorientierten Wirtschaftlichkeitsrechnung durch einen Perspektivwechsel in der Bewertung energetischer Sanierungen entwickelt, von der Projektbetrachtung hin zu der Perspektive immobilienwirtschaftlicher Akteure. Andererseits werden generelle Ansätze zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit energetischer Gebäudesanierungen auf den Ebenen einzelner Projekte und politischer Strategieansätze identifiziert.

Damit beschreitet die Arbeit neue Wege: In der Studie wird ausgelotet, wie mit dem zur Verfügung stehenden Budget ein bestmöglicher Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden kann. Die Studie zielt konkret darauf ab, unter den für die Gebäudesanierung zur Verfügung stehenden Maßnahmen insbesondere diejenigen zu identifizieren, die besonders kosteneffizient und sinnvoll sind.

In diesem Kontext verfolgt das Projekt das Ziel, in der wissenschaftlichen und politischen Debatte um energetische Sanierungen neue, interdisziplinäre Lösungswege aufzuzeigen.

Methodisches Vorgehen

Dafür werden erstmals die Gebäude, die möglichen Sanierungsmaßnahmen und deren Effekte in ihren systemischen Zusammenhängen und Wechselwirkungen, also als Ganzes betrachtet. Gingen bisher in der Regel nur Endenergieverbrauch und Investitionskosten in Vergleiche ein, werden in der Arbeit auch Aspekte wie etwa Behaglichkeit im Wohnbereich, die Effekte, die Energieverbrauch und Baumaterialien kurz- und langfristig auf die CO2-Bilanz haben, die Kosten dafür und die Investitionssumme, die Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer in ihr Gebäude stecken müssen, wenn sie eine Kilowattstunde Endenergie einsparen möchten, berücksichtigt.

In einem eng abgestimmten iterativen Prozess werden von beiden Projektpartnern gemeinsam verschiedenen Sanierungsstrategien erarbeitet und in ihren Effekten hinsichtlich der genannten Parameter unter Berücksichtigung definierter Rahmenbedingungen bewertet. Auf Basis verschiedener Sanierungsstrategien werden aufbauend auf verschiedenen Case-Studies die effizientesten Maßnahmen aus der Perspektive der Akteure identifiziert. In der interdisziplinären Zusammenarbeit werden ferner systematisch insbesondere diejenigen Instrumente des Förderns und Forderns identifiziert, die unter Berücksichtigung ökologischer, ökonomischer, technischer, prozessualer und sozialer Effekte im Sinne der Aufwand- Nutzen-Effizienz einen besonders großen Beitrag für den Klimaschutz leisten.

Ergebnisse

Das Projekt liefert als Ergebnis der Case Studies beispielhafte Roadmaps zur energetischen Sanierung für die Eigentümer kleiner Wohngebäude sowie für die Gruppe der Privatvermieter und für kleine Wohnungsunternehmen. Konkret wird gezeigt welche Maßnahmen wann und unter welchen Umständen hinsichtlich der Grenzkosten zur Energievermeidung sinnvoll sind. Ferner liefert das Projekt erste Hinweise zu einer Anpassung der politischen Ansätze des Förderns und Forderns und damit eine fundierte Grundlage für politische Implikationen.

Projektlaufzeit 2014/2015

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Andreas Pfnür, Dipl.-Ing. Architekt Nikolas Müller
Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften
Fachgebiet Immobilienwirtschaft und Baubetriebswirtschaftslehre

Prof. Dr.-Ing. Gerd Simsch, David Bewersdorff, Msc.
Kooperationsprofessur Nachhaltiges Bauen im Bestand
Institut für Massivbau