DFG-Forschergruppe: Lokale Generierung handlungsrelevanten Wissens

Titel DFG-Forschergruppe: Lokale Generierung handlungsrelevanten Wissens
Untertitel Teilprojekt: lokale Strategien und Maßnahmen gegen den Klimawandel in Flächenmanagement und Immobilienwirtschaft
Partner Deutsche Forschungsgemeinschaft
Jahr 2015

Interdisziplinäre Kooperation der Fachgebiete Immobilienwirtschaft und Baubetriebswirtschaftslehre von Prof. Dr. Andreas Pfnür und Landmanagement von Herrn Prof. Dr.-Ing. Hans Joachim Linke.

Angesichts der Dringlichkeit von Klimaschutz- und Klimaanpassungsinvestitionen bei gleichzeitigem Finanzierungsengpass ist die Effizienz der Maßnahmen von herausragender Bedeutung. Dabei sind in der Stadtentwicklung die Handlungsfelder Flächenmanagement und Immobilienwirtschaft zentral für erfolgreiche Strategien im Umgang mit dem Klimawandel.

In dem Projekt „Lokale Strategien zu Klimaschutz und Klimaanpassung in Flächenmanagement und Immobilienwirtschaft“ wird untersucht, wie im Flächenmanagement und in der Immobilienwirtschaft auf kommunaler Ebene die Mobilisierung und Auswahl aus dem verfügbaren Wissensangebot zum Klimawandel erfolgt und lokal handlungsleitende Wissensordnungen formiert werden, und wie sich daraus Entscheidungen und konkrete Handlungen ergeben. Ansatzpunkte dafür bietet die kommunale Planungs- und Umweltverwaltung, welche fachliche Grundlagen vorbereitet, die sowohl die räumliche Verteilung als auch fachlich-inhaltliche Anforderungen an Neubau und Bestand (z.B. Angebot regenerativer Energieversorgung, Energieeffizienz, bauliche Qualitäten) beinhalten. Die auf dieser Basis getroffenen (klima-)politischen Entscheidungen in der Kommune bilden wiederum den Rahmen für die Tätigkeit der Investoren im Immobilienbereich (Standortentscheidungen, Entscheidungen zur energetischen Sanierung, Qualitätsfragen Neubau und Bestand etc.). Hinzu kommen spezifische kommunale Anreize und Förderprogramme, die die Umsetzung der Klimapolitik unterstützen sollen.

In dem Projekt werden in Frankfurt, München und Stuttgart Projektentwicklungen im Gewerbe- und Wohnbereich und Maßnahmen der Bestandsentwicklung jeweils sowohl hinsichtlich der öffentlichen als auch der privaten Seite analysiert. Die forschungsleitende These für die Untersuchung lautet, dass die Auswahl aus den zur Verfügung stehenden Instrumenten zum Umgang mit den Folgen des Klimawandels in den Städten je nach vorherrschender Wissensordnung unterschiedlich erfolgt und sich somit auch die finanzielle Lastenverteilung zwischen Eigentümern, Nutzern und der öffentlichen Hand sowie die Effizienz der Maßnahmen unterscheidet.

Neben der theoriegeleiteten Forschung hat das Projekt zum Ziel, für die lokale Politik Designprinzipien für das Prozessmanagement von Klimaschutzinvestitionen zu formulieren, welche insbesondere die wirtschaftliche Situation der privaten Akteure und der öffentlichen Hand, die lokalen Immobilienmarktverhältnisse sowie die technologischen Voraussetzungen der Immobilienbestände berücksichtigten und damit zu einer effizienten Umsetzung der Klimapolitik auf kommunaler Ebene beitragen können.

Das Projekt ist Teil einer 2012 von der DFG ins Leben gerufenen interdisziplinären Forschergruppe, die in Kooperation aus Ingenieur-, Politik- und Wirtschaftswissenschaftlern die „Lokale Generierung handlungsrelevanten Wissens – am Beispiel lokaler Strategien und Maßnahmen gegen den Klimawandel“ erforscht. Die Forschergruppe wird von der DFG mit einem Gesamtvolumen von 1,9 Millionen Euro gefördert und hat eine Laufzeit von zunächst drei Jahren.

Die Kernaufgabe der DFG besteht in der wettbewerblichen Auswahl der besten Forschungsvorhaben von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und in deren Finanzierung. Dabei fördert sie insbesondere auch die besten Köpfe. Die Förderung ist ein weiterer Beleg für den Bedeutungszuwachs immobilienwirtschaftlicher Fragestellungen in Deutschland und Indiz dafür, dass die immobilienwirtschaftliche Forschung in ihrer Qualität zu anderen Disziplinen aufschließt. Die Förderung immobilienwirtschaftlicher Forschung durch die DFG war in der Vergangenheit eine Seltenheit.

Das Projekt wird von Alexandra Hanusch, Marina Hofmann und Nikolas Müller bearbeitet.

Publikationen

Hofmann, Marina ; Müller, Nikolas ; Stankiewicz, Christoph J. ; Pfnür, Andreas ; Linke, Hans-Joachim :
The effects of knowledge orders on climate change policy in urban land management and real estate management: a case study of three German cities
In: Urban Research & Practice
[Artikel], (2015)

Müller, Nikolas D. ; Hofmann, Marina ; Pfnür, Andreas
Kemmerzell, Jörg ; Knodt, Michèle ; Tews, Anne (eds.) :
Europäische Energie- und Klimapolitik für den lokalen Gebäudesektor. Freiräume und Restriktionen aus immobilienwirtschaftlicher Perspektive.
In: Städte und Energiepolitik im europäischen Mehrebenensystem Zwischen Energiesicherheit, Nachhaltigkeit und Wettbewerb. Schriftenreihe des Arbeitskreises Europäische Integration e.V., 95. , pp. 177-197. ISBN 978-3-8487-2140-5
[Buchkapitel], (2016)