Studie zum Auswahlprozess für eine Abwicklungsform bei Neubauten durch Non-Property Companies

Titel Studie zum Auswahlprozess für eine Abwicklungsform bei Neubauten durch Non-Property Companies
Untertitel Eine empirische Studie zu den Entscheidungskriterien und deren Gewichtung bei deutschen Unternehmen
Autor(en) Anne Dörr, Andreas Pfnür
Jahr 2019
Link Paper: Auswahlprozess für eine Abwicklungsform bei Neubauten durch Non-Property Companies

Das Fachgebiet Immobilienwirtschaft und Baubetriebswirtschaftslehre führte im Frühjahr 2018 eine empirische Befragung zum Auswahlprozess für eine Abwicklungsform bei Neubauten durch Non-Property Companies durch. Diese Befragung knüpfte an das Forschungsprojekt Lebenszyklusübergreifende Wertschöpfungspartnerschaften in der Immobilienbeschaffung von Corporates an. Der ausführliche Ergebnisbericht zur Studie ist nun veröffentlicht und steht oben auf dieser Seite zum Download bereit.

Zweck der Studie: Analyse des Entscheidungsprozesses in der Praxis

Der gegenwärtig spürbare Strukturwandel zwingt Non-Property Unternehmen zum Überdenken ihrer Flächen und damit auch ihrer im Eigentum befindlichen Immobilien. Eine Studie von Pfnür aus 2018 zeigt, dass der Flächenbedarf deutscher Unternehmen im Zuge von neuen Arbeitswelten, voranschreitender Digitalisierung usw. bis 2028 um 1,7 % steigen wird und ca. 50 Prozent der Flächen eine Umnutzung/Umgestaltung erfahren müssen. Fraglich ist jedoch, ob zur Bewältigung dieser Herausforderung ausreichend Kapazitäten seitens der Projektentwicklung vorhanden sind. So stehen dem prognostizierten Bedarf von 44 Mrd. Euro Bauvolumen lediglich ein durchschnittlich tatsächlich realisiertes Bauvolumen von 20 Mrd. Euro gegenüber. Gründe hierfür scheinen sowohl ein Engpass an internen Ressourcen als auch zu wenige geeignete Angebote am Markt zu sein. Dies wird zukünftig zu der Frage nach Systemlösungen in Form von Real-estate-as-a-Service von kompetenten Dienstleistern über den gesamten Lebenszyklus hinweg führen.

An diese Problematik schließt sich die 2018 durchgeführte Studie zum Auswahlprozess für eine Abwicklungsform bei Neubauten durch Non-Property Companies. Hierbei wurden Entscheidungskriterien und deren Gewichtung bei der Wahl einer Abwicklungsform für Neubauten in Non-Property Unternehmen untersucht. Befragt wurden Entscheidungsverantwortliche in den 200 mitarbeiterstärksten Non-Property Unternehmen in Deutschland. Ziel war es, den Entscheidungsprozess in der Praxis der Unternehmen abzubilden und gleichzeitig die verschiedenen Abwicklungsformen, die als Lösung für den Entwicklungsbedarf zur Wahl stehen, auf ihre Eignung hin zu untersuchen.

Erste Ergebnisse:

Frage nach Bereitstellung von Immobilien auch zukünftig von Bedeutung

Die Studienergebnisse zeigen, dass die Frage nach der Abwicklung von Neubauprojekten aufgrund anhaltend hohen Eigentumsquoten in Deutschland (durchschnittlich 60 Prozent) nach wie vor sehr relevant ist. Der damit verbundene Entscheidungsprozess ist aus Sicht der Befragungsteilnehmer insbesondere aufgrund der Möglichkeit zur Senkung der Immobilienkosten und Risiken sowie dem effizienten Ressourceneinsatz wichtig.

Realisierung von Abwicklungsformen unterscheidet sich teilweise stark

Für die Abwicklung von Neubauvorhaben wählen die teilgenommenen Unternehmen derzeit am häufigsten eine Generalunternehmerbeauftragung oder eine Einzelgewerkevergabe. Wesentlich seltener werden Totalunternehmer beauftragt. Wertschöpfungspartnerschaften, d.h. lebenszyklusübergreifende Lösungen, die die Zusammenarbeit mit einem Systemanbieter in einem partnerschaftlichen Verhältnis vorsehen, werden nur in Einzelfällen realisiert.

 

Starke Kostenfokussierung als eine identifizierte Schwäche im Entscheidungsprozess

Optimierungspotential sehen die Befragungsteilnehmer im derzeit praktizierten Entscheidungsprozess hinsichtlich vorherrschenden Partikularinteressen und der Ausübung von Machtverhältnissen der Entscheidungsträger. Die Teilnehmer nennen darüber hinaus insbesondere ein fehlendes Wissen über die Besonderheiten sowie die Vor- und Nachteile der verschiedenen Abwicklungsformen als Schwäche. Bei der Analyse der Priorisierung von Entscheidungskriterien fällt die starke Kostenfokussierung auf. Dabei werden die Investitionskosten wesentlich stärker gewichtet als die Lebenszykluskosten. Ein weiteres wichtiges Entscheidungskriterium ist für viele Befragungsteilnehmer der Detaillierungsgrad der Ausschreibung, während der Einsatz von Ressourcen eine geringe Rolle spielt.

Potentiale der Wertschöpfungspartnerschaften bleiben unterschätzt

Die Befragung zeigt deutlich, dass die Abwicklungsformen hinsichtlich der festgelegten Entscheidungskriterien unterschiedlich gut geeignet sind und sich dadurch Profile ermitteln lassen, bei welchen Priorisierungen welche Abwicklungsformen genauer abgewogen werden sollten. Insbesondere die Potentiale der Wertschöpfungspartnerschaften scheinen derzeit noch unterschätzt, obwohl die Teilnehmer partnerschaftlichen Lösungen positiv gegenüberstehen und einen Anstieg an partnerschaftlichen Lösungen erwarten. Die Teilnehmer sehen in diesem Zusammenhang Real-estate-as-a-service als wichtiges zukünftiges Geschäftsmodell.